Echte Führung - der Beginn

Stellen Sie sich vor, Sie müssen in einer absoluten Krise mit zu wenig Personal, keinem Budget, wenig Ressourcen die dazu noch verschlissen sind, Höchstleistungen erbringen. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass das Umfeld, in dem Sie handeln sollen ein potentiell gegen Sie gerichtetes, komplexes Umfeld ist, in dem zu jeder Sekunde alles komplett anders sein kann, der Ausgang der Sache ungewiss ist und nicht immer klar ist, was denn nun eigentlich wirklich grade passiert um Sie herum.



Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie müssen ein Team in diesem Umfeld führen…


Dabei werden um Sie herum in den Medien allerlei Schlagworte bedient: New Work, Scrum, Agile, Innovation, VUCA und so viele mehr – um nur einige zu nennen. Auch das Lebenslange Lernen bekommt eine immer größere Bedeutung (dazu zählt meiner Meinung nach auch das Lernen von unterschiedlichen Organisationen). Konzerne lernen auf einmal von Startups, Digital Innovation Units bringen eine neue Kultur in Unternehme, der Mittelstand bändelt mit jungen Unternehmen an und überall werden externe Hubs und Acceleratoren gegründet. All das zielt auf eine Veränderung der Kultur. All das soll dazu führen, dass anders geführt wird. All das soll alles beschleunigen.


Das ist verständlich – denn Veränderungen gehen in der heutigen VUCA-Welt umso schneller von statten. Die Innovationsrate bei der Entwicklung der Prozessorgeschwindigkeit ist dabei sicher nicht die Regel – sie kann aber ein Indikator sein für das, was uns in der Forschung und Entwicklung sowie der Wirtschaftsentwicklung bevorsteht. Kein Wunder, dass langsame Organisationsstrukturen in dieser vielschichtigen, unsicheren, komplexen und sehr beweglichen Welt nach Lösungen suchen. Tesla – im Grunde noch ein Startup wenn man die Firma mit den alt eingesessenen Autobauern vergleicht – ist ein weiteres Beispiel. Häufig totgesagt – dennoch überholte Tesla dieses Jahr bereits VW bei der Marktkapitalisierung im Markt. Oohps…


Aber zurück zu Ihnen – Sie sollen ja ein Team führen in dieser Irren Welt!

Ein kurzes aufblitzen von Panik kann man da vielerorts ausmachen. Weil man schlicht überrannt wird. Überrannt – eher überfahren - von kleinen Schnellbooten. Kleine, agile, wendige, schlaue Biester, die es verstanden haben mit wenig Ressourceneinsatz Produkte am Kunden ausgerichtet zu entwickeln. Und wenn man sich wirklich mal umschaut gibt es doch so einige Organisationen, die in der schneller, neuen Welt scheinbar angekommen sind. Ich möchte Ihren Blick jedoch auf eine so gänzlich Organisation lenken, die jährlich etliche hundert hervorragend ausgebildete Führungskräfte auf den Arbeitsmarkt entlässt und deren Personal in eben jenem oben beschriebenen Umfeld quasi beruflich lebt – die Bundeswehr.


Ja, die Organisation an sich ist – zumindest entnimmt man das der Presse – in keinem guten Zustand. Politische Erwägungen, strategisches hin und her, Unterfinanzierung und ein schlechtes Image führten zu organisierter Mangelverwaltung, Minderausrüstung, schlechten Wartungsständen, niedrigen Beständen und einem immer weniger attraktiven Dienst. Als jemand, der aus dem System kommt, kann ich dazu sagen, dass das System nur deshalb noch funktioniert, weil wir NOCH hervorragendes Personal haben, welches aus dem Mangel das Beste herausholt.


Eben jene Führungskräfte, die hervorragend ausgebildet werden, mit einer von Grund auf agilen Führungskultur versehen und in den meisten Fällen tatsächlich Einsatzerfahren nach durchschnittlich 13 Jahren auf den Arbeitsmarkt treten. Es lohnt sich ein Blick hinter das Augenscheinliche und Banale. Es lohnt sich, diese Führungskräfte (die heißen bei uns Feldwebel und Offiziere) genauer zu betrachten. Und es lohnt sich, die Führungssystematik und das Agile dahinter anzuschauen – wer weiß – vielleicht ist ja für Sie auch was dabei.


In den nächsten Beiträgen werde ich einzelne Teilaspekte näher beleuchten.

13 Ansichten

© 2020 by Jan Hesselbarth, App. 1.45, Kieler Straße 3, 22769 Hamburg - Impressum

  • Xing
  • LinkedIn