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  • Jan Hesselbarth

Kompromisslose Aufrichtigkeit

Nur wer die Wahrheit sagt kann das Vertrauen erlangen, welches für die Führung hoch effektiver Teams notwendig ist. Was sich wie eine einfache Binsenweisheit anhört ist doch immer schwerer zu realisieren. Immer schwieriger wird es, Mitarbeitenden kompromisslos die Wahrheit zu sagen. Das umfasst auch nötigerweise kritische Situationen und Konflikte.

Besonders in interdisziplinären, heterogenen und diversen Teams ist es sehr schwer, sich als Führungskraft den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeitenden so anzupassen, dass man am Projektziel mit möglichst wenig Problemen und Reibungsverlusten ankommt. Eine Leitlinie könnte dabei sein, dass man als Führungskraft stets als authentisch und vor allem ehrlich und aufrichtig wahrgenommen wird. Dafür ist es unerlässlich eine kompromisslose Aufrichtigkeit für sich zu leben.


Dabei müssen vor allem zwei Bereiche unterschieden werden. Das eine ist die persönliche Aufrichtigkeit. Hier kommt es vor allem in Konflikten darauf an, zur richtigen Zeit und mit den richtigen Worten aufrichtig zu sein. Ein Beispiel sind Feedbackgespräche oder Konfliktgespräche, bei denen es nicht um objektive Gesichtspunkte geht. Man fragt sich meist, ob es sinnvoll ist, einen Mitarbeitenden z.B. auf eine persönliche Schwäche hinzuweisen, die eine Auswirkung auf die Arbeit hat. Aus der Erfahrung etlicher Führungskräfte kann es jedoch nicht nur angebracht, sondern auch notwendig sein, solche Missstände anzusprechen. Dabei ist die Anwendung der Feedbackregeln die goldene Leitlinie. Solche kritischen Dinge zu verschweigen erscheint dabei nicht als zielführend, da dem unterstellten Bereich eine persönliche Entwicklungsmöglichkeit dadurch verwehrt wird.


Der andere Bereich ist der professionelle Bereich, also der Bereich, in dem es um objektive Zahlen und Fakten geht. Hier wird es sich zumeist um die Aufrichtigkeit nicht nur dem Team/den Vorgesetzten, sondern auch sich selbst gegenüber gehen. So kommt es zum Beispiel häufig vor, dass im Gespräch oder in Berichten gegenüber der übergeordneten Ebene Zahlen und Daten geschönt werden. Darüber spricht niemand – es passiert aber häufiger als gedacht. Dies passiert zumeist aus persönlichen Gründen (Leistungszahlen für einen Bonus sollen erreicht werden, man scheut den Konflikt, man möchte gut dastehen, …). Schlussendlich belügt man sich durch solche Unaufrichtigkeiten nicht nur selbst sondern vor allem den Arbeitsgeber.


Die kompromisslose Aufrichtigkeit, die eine Führungskraft daher aufbringen sollte, um den eigenen Bereich besser führen zu können und allgemein ein besserer Führungsverhalten für sich zu gewährleisten, muss also für zwei Bereiche gelten: den persönlichen Bereich und den professionellen. Nur wer in beiden Bereichen mit angemessenen Worten und zur rechten Zeit kompromisslos aufrichtig ist wird die Gefolgschaft und das Vertrauen der Mitarbeitenden erlangen.

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