Vorgesetzte als Führer - Erzieher - Ausbilder

Vorgesetzte als "Führer, Erzieher und Ausbilder"

"Die Bundeswehr ist anders als jedes andere Unternehmen." - ein vielgehörter Satz. Das fängt bereits bei dem Selbstverständnis eines/-r Vorgesetze/-n an. In der Bundeswehr ist es nämlich immer so, dass man als Führungskraft führt, erzieht und ausbildet. Dies ist ein inhärenter Auftrag, den man als Führungskraft immer wahrnimmt - weil man Führungskraft ist. Das liegt auch nicht zuletzt an dem sehr hierarchischen Aufbau der Bundeswehr. Die einzelnen Rollen will ich mal kurz erklären.



"Führer": Natürlich ist in diesem Falle die Konnotation zur Menschenführung gemeint und hat keine geschichtliche Dimension. Man könnte auch Führungskraft sagen. Aber warum ist ein/-e Vorgesetzte/-r stets und ständig eine Führungskraft (auch wenn aktuell kein Personal unterstellt ist)? Weil Vorgesetzte in der Bundeswehr immer erkennbar sind als Vorgesetzte. Wir tragen unsere Position in der Hierarchie auf unseren Schultern. Soldaten und damit auch militärische Vorgesetzte werden durch jeden Untergebenen auf jeder Hierarchiestufe stets gesehen. Daraus ergibt sich alleine schon die Funktion, stets Führungskraft zu sein.


"Erzieher": In der Bundeswehr gibt es den Erlass Erzieherischer Maßnahmen. Die Grundannahme ist, dass ein Soldat einen Ausbildungsmangel haben kann - dann wird ausgebildet. Und ein Soldat kann einen Erziehungsmangel haben - dann wird erzogen. Der Erlass Erzieherische Maßnahmen ist nichts anderes, als ein Instrument um Fehlverhalten zu ahnden und positives Verhalten zu belohnen. Es werden gewisse Maßnahmen definiert, die ab bestimmten Führungsebenen angewandt werden dürfen, um auf Erziehungsmängel der Unterstellten zu reagieren oder gute Leistungen positiv zu bedenken. Sicherlich ist die Bundeswehr die einzige Institution, die ein solches Instrument überhaupt systematisch integriert hat, die und auch die Erfahrung zeigt aber, dass es durchaus notwendig sein kann, erzieherisch tätig zu werden. Davon unbenommen ist natürlich das Gespräch unter vier Augen zu einem Fehlverhalten. Über Wertschätzung an sich habe ich mich bereits in einem anderen Artikel ausgelassen - Wertschätzung ist ein wesentlicher Bestandteil des EEM. Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass jeder Vorgesetzte zu jeder Zeit durch sein persönliches Vorbild eine erziehende Funktion wahrnimmt, ohne dass diese klar angesprochen oder bewusst ausgeführt wird.


"Ausbilder": In Ergänzung zum Erzieher ist die Rolle des Ausbilders unglaublich wichtig. Immer dann, wenn ein Fehlverhalten vorliegt muss die Führungskraft herausfinden, ob es sich um einen Erziehungsmangel handelt oder einen Ausbildungsmangel. Ausbildungsmängel sind dabei im Rahmen der Ausbildung vor Ort und unmittelbar abzustellen. Hört sich drastisch an, ist aber durchaus sinnvoll. Das Prinzip dahinter ist, dass Ausbildungsmängel direkt beseitigt werden und so ein Fehlverhalten aufgrund eines Ausbildungsmangels sich nicht einschleift.


Das Prinzip mit diesen Rollen greift tatsächlich gut, solange die Führungskräfte dieses Prinzip durchdrungen haben. Hieraus lässt sich nicht alles für eine zivile Führungskraft ableiten - dennoch gibt es Funktionen, die es wert sind, betrachtet zu werden. So halte ich es für sehr wertvoll, Fehlverhalten direkt anzusprechen und eine Veränderung zu erwirken. Natürlich mit dem notwendigen Augenmaß in der Kommunikation - Kritik darf niemals vor anderen und erst recht nicht von oben herab kommuniziert werden.

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